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Warum wir Methoden brauchen, die uns unser Geld erlebbarer machen

  • Wenn wir das Phänomen Geld besser begreifen, können wir auch uns selbst und unsere Gesellschaft besser begreifen: Welche Vorstellungen von Geld, welche Glaubenssätze, Wahrnehmungs-, Denk-, Fühl- und Handlungsmuster, welche Fixierungen und Projektionen sind im Zusammenhang mit Geld in uns verkörpert und werden normalerweise auch immer wieder von uns kopiert?
  • Unterschiedliche Methoden (Formate, Spiele etc.) führen uns in unterschiedliche Erlebnisräume und Gedankenwelten ein, erlauben uns verschiedene Perspektiven auf das Geld einzunehmen und lassen uns die vielen Aspekte von Geld leichter erfahren und verstehen.
  • Wenn wir bewusst wahrnehmen, was in den Spielen und beim Anwenden der Methoden geschieht und unser Erleben reflektieren, können wir für uns jeweils ein Stück weiterkommen. Unter Umständen sind es quantitativ immer nur kleine Schritte, die aber in ihrer Gesamtheit irgendwann als eine neue Qualität spürbar werden.
  • Wenn wir erkennen, welche Muster uns begrenzen, können wir vielleicht auch Möglichkeiten finden, sie nach und nach aufzulösen. Das kann uns schießlich neue Handlungsspielräume eröffnen, vielleicht auch zu einem anderen Umgang mit Geld führen oder gar zu anderen Konstruktionen von Geld.
  • Wenn wir unser Geld besser begreifen, erschließen uns auch die Möglichkeit, es ganz anders, also mit einer anderen Konstruktion zu denken und besser zu gestalten. Denn wir wissen ja aufgrund realer Beispiele: Geld lässt sich anders gestalten! Mit einer anderen Konstruktion meinen wir übrigens nicht, dass das Material von Scheinen oder Münzen ausgewechselt wird oder dass die Scheine oder die Münzen andere Formate (bspw. eckig statt rund oder rund statt eckig) bekommen, dass Geld also eine andere technische Gestalt annimmt. Es könnte bspw. dazu führen, dass wir uns den Impuls anders vorstellen können, den das Geld bei seiner Herstellung (Schöpfung) erhält. Statt des Wachstumsimpulses, den es heute bei der Kreditgeldschöpfung erhält, könnten wir uns dann vielleicht vorstellen, dass ihm ein ganz anderer Impuls gegeben werden könnte, von dem wir heute aber noch nicht genau wissen, wie er sein sollte.
  • Einzelne individuelle Erfahrungen im Rahmen dieser Methoden können Anstöße geben, die vielleicht zu Strukturveränderungen führen (z.B. zu einem Haltungswandel in einem bestehenden Unternehmen, zu einer Unternehmensgründung evtl. auch mit einem anderen Geschäftsmodell, zu neuen Gesetzen und Verordnungen oder eben zu einem anderen Impuls bei der Erschaffung von Geld), die uns dann wiederum unsere Verhaltensänderungen erleichtern.

Der Blick auf das Geschehen außen und auch innen

Hier geht’s also immer um’s Geld. Es geht um seine Beziehungen zu uns, zu unseren Mitmenschen und zu unserer Mitwelt darüber hinaus. Als Menschen kennen wir grundsätzlich zwei Wahrnehmungs- und Erfahrungsbereiche: Innen und Außen. Wir können etwas in uns wahrnehmen und außerhalb von uns. Keiner der Bereiche ist generell wichtiger als der andere. So kennen wir nun Methoden, die stärker für das innere Wahrnehmen von Geld geeignet sind als für das äußere und umgekehrt:

  1. Einige von uns hier aufgeführte Methoden erlauben Blicke auf die systemischen Zusammenhänge „im Außen“, also auf unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft und deren Einbettung in die Natur. Wie entsteht Geld, wie strömt es durch die Wirtschaft, wie wandert es zwischen den Akteur:innen, in welchen Ausdrucksformen liegt es vor, was bewirkt es – so weit äußerlich fassbar – und wie verschwindet ein Teil davon wieder? Es geht also darum, dass wir das Verhältnis zwischen Geld und Welt beleuchten und dadurch genauer erkennen.
  2. Wir geben hier aber auch einer Reihe von Methoden Raum, die unsere Aufmerksamkeit auf Vorgänge in uns Menschen richten. Sie machen uns deutlich, was in uns passiert, sobald wir mit Geld umgehen. Dabei geht es also vorrangig um das Verhältnis zwischen Geld und uns. Was in uns geschieht oder auch nicht geschieht, hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir nach außen handeln. Nehmen wir das bewusst wahr, können wir mehr und mehr mögliche übermäßige Identifikationen und störende Blockaden lösen.

Vereinfacht und beispielhaft gesagt: Wir können unterschiedliche Formen des materiellen Gebens und Nehmens wie a.) leistungslose Gewinne, b.) Konkurrenz auf Grundlage des (Markt-)Leistungsprinzips, c.) mitfühlende, bedürfnisorientierte Zusammenarbeit oder d.) das sinnorientierte Beitragen zu einem größeren Ganzen sehr hautnah erleben, um daraus zu lernen, wenn wir geeignete Methoden anwenden, die sich mit Geld beschäftigen. Mit einigen anderen Methoden können wir sogar probeweise in das Gestalten gehen, also die gewünschte Form des Umgangs ausprobieren oder sogar unmittelbar für die reale Welt („in echt“) initiieren.

Unsere Annahme

Geld ist für uns sowohl Ausdruck als auch Stütze und Motor einer bestimmten Haltung unserer Gesellschaft gegenüber der Welt und dem Leben. Es ist zudem Projektionsfläche oder Spiegel unserer Vorstellungen von uns, von der Welt, insbesondere vom Haben und Sein, vom Geben und Nehmen. Ist Geld gut oder böse? Oder ‚weder noch‘?

Das universale Tauschmedium Geld fördert und signalisiert zumindest in seiner jetzigen Ausgestaltung ein berechnendes Denken. Wenn wir es benutzen, werden die Menschen, um die es geht, schnell auf Dienstleister:innen reduziert und die Dinge zu Waren gemacht, solange sie sich nicht wehren. Wahrscheinlich kann Geld auch gar nicht anders, weil ja damit der Wert von etwas immer in Zahlen ausgedrückt wird. Aufgrund unserer Alltagserfahrung wissen wir, welche immensen Vorteile die universelle Vergleichbarkeit bietet, aber auch mächtige Nachteile: Sobald Geld ins Spiel kommt, dominieren quantitative Aspekte gegenüber den qualitativen Eigenschaften der Dinge.

Geld ist eine Denkform und nur darin eine soziale Wirklichkeit.
Man versteht „Geld“ nur durch Teilnahme an einer Geldökonomie.

Karl-Heinz Brodbeck (2014): Phänomenologie des Geldes. Working Paper Serie, Cusanus Hochschule 10.

Das Berechnende ist eine Seite von Menschen, die wir vielleicht einfach anerkennen müssen. Nicht aber sämtliche Folgewirkungen davon.

Manche Dinge laufen nicht gut in unserer Welt, einige sogar ganz gewaltig schief

Das hat ganz sicher eine Menge mit unserem Geld zu tun, wenn auch nicht nur. Aber was genau ist das Problem?

  • Werden bloß die Geldflüsse falsch gelenkt und/oder schlecht organisiert, werden dadurch ungerechte und ungerechtfertigte Machtverhältnisse sowie Ausbeutung von Menschen und Natur unterstützt?
  • Und/oder arbeiten wir mit einem Finanzsystem, das über die Jahrzehnte falsch aufgebaut wurde und weiterhin falsch gepflegt wird, das zudem mit einem Geld arbeitet, das selbst falsch „konstruiert“ ist?
  • Und/oder wäre an bestimmten Stellen einfach weniger oder generell kein Geld noch besser, d.h. lebensdienlicher?

Wie viel anders wäre es möglich und auch nötig? – Geld anders gestalten

Wäre also ein anders gelenktes Geld oder ein ganz anders aufgebautes Finanzsystem oder ein anders konstruiertes Geld sinnvoll und auch in größerem Maßstab möglich? Sustainable Finance und Divestment-Initiativen stehen für den ersten Ansatz, der bereits vielfach und dabei mehr oder weniger konsequent umgesetzt wird. Die Initiative der Monetative sowie lokale und regionale freiwirtschaftliche Währungsexperimente stehen vereinfacht gesprochen für eine Kombination des zweiten mit dem letzteren. Oder bräuchten wir in einigen Handlungsfeldern (wieder) weniger Geld? Auch dafür gibt es ja an vielen Orten kleinsträumiges, aber konkretes individuelles Engagement.

Methoden und Spiele sind auch nur Modelle der Realität

Angelehnt an Lars-Hendrik Schilling können wir sagen: Die Wirklichkeit ist uns nicht unmittelbar zugänglich, sondern wir entwickeln immer eine mentale Vorstellung der Welt um uns herum. (Außer vielleicht bei mystischen Erfahrungen, bei denen diese Subjekt-Objekt-Trennung aufgehoben wird?) Das beginnt mit beispielsweise optischen Täuschungen, weil unser Gehirn die Impulse der Augen zu einem nicht angemessenen Modell zusammenbaut. Das gilt aber nicht nur für direkte Wahrnehmungen. Auch unsere Erwartungen dazu wie Naturgesetze funktionieren oder wie sich unsere Mitmenschen verhalten werden, sind am Ende unsere Modelle von der Wirklichkeit. Unser gesamtes Verstehen geschieht durch Abbilder der Welt in unserem Geist. Unsere Vorstellung von der Welt (sei es ein explizites wissenschaftliches Modell oder ein implizites mentales „nicht-wissenschaftliches“ Modell) ist nicht die Welt selbst, es ist eine – für unsere Zwecke – vereinfachte Abbildung. Mit anderen Worten:

Die Landkarte ist nicht das Gelände.

Alfred Korzybski (* 1879 Warschau, Polen; † 1950 Lakeville, Connecticut, USA)

Das englischsprachige Original-Zitat lautet: „A map is not the territory it represents, but, if correct, it has a similar structure to the territory, which accounts for its usefulness.“ (Alfred Korzybski, 1994: Science and Sanity: An Introduction to Non-Aristotelian Systems and General Semantics. S. 58.)

Auch Methoden und Spiele zum Thema Geld basieren auf Vorstellungen

Der Ausspruch Korzybskis gilt natürlich auch für sämtliche Methoden, Formate und Spiele. Sie alle gehen von Vorstellungen aus, die sich die Entwickler:innen von dem Teil der Welt machen, der Gegenstand der Methode, des Formats oder des Spiels ist. Sie fließen in die grundlegende Anordnung sowie die Anleitungen und Regeln ein, nach denen wir die jeweilige Methode anwenden oder das vorgeschlagene Spiel spielen sollen.

In unserer Methodensammlung weisen wir immer wieder mal auf diesen Umstand hin. Ohnehin besteht eine unserer Leidenschaften darin, herauszufinden, welche wesentlichen Annahmen ihrer Konstruktion zugrundeliegen, auf welcher ökonomischen Rahmenvorstellung (Paradigma) sie also jeweils basieren.

Welche Wurzeln unser Projekt hat, erfährst du hier.